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Wohnungsmangel in Aachen

Ein jeder weiß, dass sich die Wohnungssuche in Aachen problematisch gestalten kann. Immerhin ist es noch leichter und günstiger als in Maastricht oder Köln, aber viele gute Wohnungen sind auch hier schnell vergriffen. Erstaunlich ist beispielsweise wie viele Anrufe auf eine Anzeige für einen neuen WG-Mitbewohner folgen können. Es ist keine Seltenheit, dass sich innerhalb weniger Minuten bis Stunden die halbe Stadt meldet und ohne Wenn und Aber jede Art von Bruchbude beziehen würde.

Von aktuell 32.240 Studenten und Studentinnen in Aachen kommen etwa 15,5% aus dem Ausland. Die RWTH besitzt keine Ausländerquote, die die Verteilung von Nationalitäten auf die unterschiedlichen Fächer regeln würde. Nur Studiengängen mit NC-Voraussetzung vergeben überkomplizierte Verfahren eine 10%-ige Besetzung.

Im Interview mit Frau Piel, Abteilungsleiterin der Abteilung „Betreuung“ des International Office, stellte sich schnell die Problematik gerade für ausländische Studierende heraus. „An der RWTH gibt es keine Stelle, die sich explizit um den Wohnraum für Studierende kümmert. Wir aus dem International Office dürfen allerdings die Problematik rund um den Wohnungsmarkt nicht übersehen und wollen allen Studierenden mit aufgearbeiteten Informationen  auf unserer Homepage die Suche etwas erleichtern und dort unterstützen, wo wir in einem angemessenem Zeitrahmen helfen können.“

Gerade zu Beginn des Wintersemesters zwischen September und Dezember, aber auch von Mai bis August, ist die Wohnsituation in Aachen und Umgebung verschärft. Sprachbarrieren, kulturelle Unterschiede und Visa-Probleme, die zu einer verspäteten Ankunft der internationalen Studierenden führt, trägt zum weiteren Nachteil ihrerseits bei.

„Jedes Jahr kommen 600 Studierende zum Austausch und weitere 600 Studenten und Studentinnen, die ihr gesamtes Studium hier zu absolvieren wollen, nach Aachen. Dann sprechen wir von 1200 internationalen Studierenden allein im Wintersemester 2010. Durch ein Abkommen der RWTH mit dem Studentenwerk konnten wir im vergangenen Jahr immerhin 400 ausländische Studierende so weit wie möglich einen Platz vermitteln.“ so Frau Piel. Doch was passiert mit den restlichen 800 Studierenden? Sicherlich finden einige eine WG, aber in manchen Fällen schien jedes Bemühen aussichtslos.

Entweder müssen sie dann für einen Monat in einem Hotel oder einer Jugendherberge unterkommen und geben damit einen großen Teil der Ersparnisse, die eigentlich für Bücher, Möbel und sonstige Investitionen genutzt werden sollten, aus. Oder die Ausländer- und Ausländerinnenvertretung (AV), eine der wichtigsten Anlaufstellen für ausländische Studierende, kann sie an andere Studentinnen und Studenten  der gleichen Nationalität vermitteln.  Diese bieten das eigene Zimmer gern an und nehmen Sorgenstudenten kostenfrei auf. Somit hat der ausländische Studierende temporär eine  Wohnung und kann sich weiter um einen eigenen Schlafplatz kümmern.

Neben Unterstützungen bei der Wohnungssuche, helfen AV und der AStA auch bei Themen wie Krankenkassen, Aufenthaltsrecht, Freizeitgestaltung und weiteren wichtigen Fragen rund um das Leben in Aachen. Onur Ögül, der Vorsitzende der Ausländer- und Ausländerinnenvertretung, betont die Wohnraumproblematik noch einmal ausdrücklich: „Bei der Zimmerbesichtigung in Aachen werden die potentiellen Mieter zur gleichen Uhrzeit eingeladen. Wenn nun beispielsweise zwei weibliche und zwei männliche Deutsche, sowie ein chinesischer oder türkischer Studierender sich die Wohnung anschauen, haben wir bisher noch nie erlebt, dass der ausländische Studierende das Zimmer wirklich bekommen hat.“ Dieses brisante Thema arbeitet der AV eng mit Frau Jungheim, die Leiterin der Wohnheimverwaltung des Studentenwerkes, auf. Das Studentenwerk Aachen bietet mit 4700 Wohnheimplätzen in 21 Häusern die größte Möglichkeit für ein Dach über den Kopf. Im Januar hat das Studentenwerk das Demag Kolleg übernommen und kann somit weitere 22 Wohnheime mit 4.510 Bettplätzen und ein zusätzlich Wohnheim in Aachen Haaren mit 219 Bettplätzen anbieten. In Aachen-Haaren belegt das Studentenwerk zwar die Apartments, alles weitere wird jedoch von dem Eigentümer organisiert. Bei Fragen und Problemen ist Frau Jung heim eine einfühlsame und  gerechte Ansprechpartnerin, die engagierten Studierenden immer gern weiter hilft. „Frau Jungheim ist für die ausländische Studierende wie unsere Mutter.“ berichtet Onur Ögül.

Auch Frau Jungheim berichtet über die Situationen in den Studenten heimen: „Circa 40% der Bewohner kommen aus dem Ausland. Dabei achten wir schon auf eine ausgeglichene Verteilung der Nationalitäten. Sogenannte „Ghettos“ wären für alle Beteiligte sicher kontraproduktiv. Die Flure der meisten Studenten wohnheime sind mit 12-16 Zimmerausgestattet, meist mit gemeinsamer Küche und Bädern. Es bietet allen Neuankömmlingen und Alteingesessenen eine abwechslungsreiche und lebendige Gesellschaft.“ Sie empfiehlt jedoch jedem sich immer frühzeitig für ein Zimmer oder Appartement online zu bewerben. Man sollte sich also circa ein halbes Jahr bevor man nach Aachen kommt, schon Gedanken über die Bleibe machen.

Nun drängt sich natürlich die Frage auf, wie die RWTH das Problem mit dem kommenden doppelten Abiturjahrgang und dem Ausfall des Wehrdienstes lösen will. Es wird eine Zahl von 6000 zusätzlichen deutschen Studierenden in Aachen geschätzt. In dieser relatif beschäftigen wir uns ja auch mit dem Thema G8. Da scheint es absehbar, dass sich die Wohnsituation gerade wieder für  Ausländer drastisch verschlimmern wird. Neue Baumaßnahmen seitens der Studentenwerke sind geplant, bisher bleibt die Finanzierung noch etwas problematisch und deshalb noch nicht absehbar. Allerdings soll es demnächst eine Imagekampagne in Zusammenarbeit der Aachener Hochschulen und der Stadt geben. Das Thema soll mehr in die Öffentlichkeit rücken und sensibilisieren. Die Bereitschaft von Privatvermietern eine Wohnung an ausländische Studierende zu vermieten muss gestärkt werden!

„Nicht zuletzt weil man so viele Parallelen zu dem eigenen Leben hier in Deutschland ziehen kann. Wie viele Eltern haben Sorge um das eigene Kind, welches sich selbst schon auf den Auslandsaufenthalt in Spanien, Australien oder den USA freut?! Hätte die eigene Tochter oder der Sohn dann keine Möglichkeit auf eine Unterkunft wären schlaflose Nächte sicher vorprogrammiert.“ zieht Onur Ögül sein Fazit.

„Es ist zwar schwierig, aber es gibt Möglichkeiten!“ so Frau Piel. „Wir glauben, dass die Bereitschaft da ist, aber wir müssen die Anliegen der internationalen Studierenden noch besser vertreten!“ Deshalb hoffen wir für die Zukunft, dass Vermieter die Entscheidung einen ausländischen Studierenden - aus welchen Gründen auch immer – abzulehnen doch noch einmal überdenken und zu Gunsten der anderen Nationalität kulturellen Weitblick zeigen.

Mit diesen Worten wünschen wir allen Wohnungssuchenden viel Glück!